(M)Ein Tag in New York
November 25th, 2004 by
Two-Zero
Mein letztes Posting ist schon eine Weile her. Einige von Euch habe ich ja in New York persönlich kennen gelernt. Jetzt zurück im eiskalten und verschneiten Moskau habe ich endlich mal wieder ein bisschen Zeit etwas zu schreiben. Meine New Yorker Tage waren lang und die Nächte kurz. Um 9 AM bin ich aufgestanden, habe vom Bett aus meinen Kaffee geschlürft und meine Programmierer in Russland und meine Kunden in Deutschland versorgt. Hinter mir klapperte mein Freund Marc auf seinem Apple Titanium, denn er kauft am Morgen immer ein paar Aktien ein.
Ab 1-2PM hatte ich dann die ersten Meetings. Man tingelt von einem Büro zum anderen, hat zweimal Lunch und trinkt viel zu viel Kaffee. Dann ist es auf einmal Abend. Wieder bin ich nicht nach Hause gekommen, um mal ein paar Minuten auszuspannen und meine Mails zu checken. Ich habe noch eine dreiviertel Stunde bis zum Dinner mit Freunden. Also beschließe ich auf ein Bier zu gehen. Ich bin in der Gegend 47 th Street auf der East Side und suche mir einen Irischen Pub aus. Dort treffen sich immer die Business People nach der Arbeit und ich freue mich auf ein paar Mädels in kurzen Kostümen. In Skateboarder Hosen, einem (Designer) Rollkragen Pulli und schwarzer Arbeiter Mütze falle ich zwischen den Anzugträgern sofort auf. Mein Hals ist trocken vom ganzen Geschwätz des Tages und ich freue mich auf ein kühles Sam Adams.
Man sollte ja gerade in den USA schnell ins Gespräch kommen, aber den Leuten bin ich anscheinend zu suspekt. So stehe ich alleine an der Bar, schlürfe mein Bier und schau ein bisschen Fern. Manchmal kommt die nette Bedienung, beugt sich ein nach vorne und gibt mir tiefe Einblicke in ihr Dekoltee während sie mich angrinst. Anscheinend hat sie Mitleid mit mir, dem offenbar vom Weg abgekommenen.
Ein halbes Bier später stehen plötzlich zwei Mitt-Zwanziger hinter mir. Beide blond, lange Beine, alles da wo es hingehört. Genau das worauf ich gewartet habe. Die eine grinst mich an, die andere schaut genervt. Neben mir an der Bar ist noch Platz, doch die Genervte hat offensichtlich Angst vor mir und will lieber weiter nach hinten in die Bar. Doch die Grinsende setzt sich durch. Kurz danach haben Genervte und ich Augenkontakt. Ich sage das übliche „Hi, how’s it going?“ doch komme nicht durch. Das Mädchen fragt mich nach meiner Nationalität und schmeißt mir danach eine Killer-Phrase herüber.
Was ist los, habe ich Aussatz? Die Andere grinst mich weiter an und mit ihr will ich ja eigentlich in Kontakt kommen, aber die Genervte blockt erfolgreich. Ich bin sogar soweit einen Drink zu spendieren. Habe nichts Böses im Sinn, denn in 20 Minuten muss ich eh weiter ins East Village zu meinem Dinner. Es geht also nur um eine nette Unterhaltung und den Zeitvertreib. Ich warte auf einen günstigen Moment und beuge mich zur Genervten. Dann flüstere ich ihr ins Ohr: „Du musst keine Angst haben. Ich will nichts von Euch. Bin nur kurz zwischen zwei Terminen in dieser Bar gelandet und suche eine nette Unterhaltung.“ So viel Offenheit kennen die Amerikaner nicht und das Mädchen ist schockiert. Sie sagt nichts, dreht sich noch weiter ab und von nun an darf ich nicht mal mehr ihre Freundin sehen. Sie schiebt sich erfolgreich zwischen uns. Über so viel Verklemmtheit kann ich nur lachen. Trinke den Rest meines Bieres und mache mich auf den Weg zu meinem Dinner. Na ja, wenigstens war das Unterhaltsamer als stummes Sportfernsehen mit Untertiteln.
Draußen vor der Tür suche ich ein Taxi. Die sind in der Rush Hour Mangelware und es stehen schon 3 Parteien auf der Kreuzung und versuchen eines zu bekommen. Unter ihnen ein Mädchen. Sie schimpft mich gleich, um mal klar zu stellen, dass das nächste Taxi ihr gehört. Ich grinse nur und frage, wo sie denn hin will und ob ich vielleicht mit aufspringen kann und ihr die Hälfte des Preises zahle. 10 Minuten später sitzen wir zusammen im Taxi Downtown. Ihr Name ist Kate. Sie ist auch eine Mitt-Zwanzigerin und echt hübsch. Gut gebaut, braune lange Haare. Außerdem ist sie ziemlich betrunken. Sie fragt mich nach meinem Akzent und ich sage Deutschland/Bayern. Sie verzerrt das Gesicht und sagt mir, dass sie Jüdin ist. “Well, where ist the Problem?”, frage ich selbstbewusst.
Einen Block weiter ist dieser unangenehme Teil unserer Konversation vergessen. Sie flirtet mit mir wie ein Weltmeister und erzählt im gleichen Zug, dass sie morgen heiraten wird. Wieder ein Beispiel der amerikanischen Doppelmoral. Dann klingelt das Telefon. Ihr Verlobter ist dran. Sie erzählt ihm, dass sie einen netten Deutschen kennen gelernt hat der in Moskau wohnt und jetzt neben ihr im Taxi sitzt. Ich höre sein lautes Schreien bis zu mir herüber aus dem Mobil-Telefon. Er scheint seiner Verlobten nicht weit zu trauen. Sie lacht und sagt, er wird mich am Ende unserer Taxi-Fahrt erwarten. Ich frage mich wo so eine Beziehung hinführen soll, beschließe aber ein paar Strassen vorher auszusteigen um Ärger zu vermeiden. An einer roten Ampel gebe ich der Kleinen ein Bussi auf die Wange, wünsche Ihr viel Glück und laufe grinsend zu meinem Dinner.
Der Abend geht noch lange weiter. Ich treffe einen Litauer zum Dinner, laufe in die Bar eines Freundes aus Lanzarote ein und werde mit Mojitos abgefüllt. Dann kommt eine nette 20 jährige Puerto Ricanerin die mir Salsa beibringen will, was in einer Unterhaltung mit deren bewachenden Mutter im harten Lower East Side Ghetto Slang endet. Die Mutter mag mich leiden (ich spreche ja ihre Sprache) und beichtet mir am Ende, dass sie gerade erst nach 15 Jahren Haft aus dem Knast kam und dies einer der ersten Abende mit ihrer Tochter ist. Sie saß wegen Heroin Handels ein.
Getoppt wurde der Abend nur noch von der süßen Baskin die in der Bar meines Freundes arbeitet und mich gegen 2 in der Frueh in einen benachbarten Club entführt. Dort habe ich am Ende eine anstrengende Unterhaltungen mit schwulen Kreativ Direktoren über den Werbeagentur-Business und die kommende Herren Mode. Seiden-Tuecher am Hals sind wohl der nächste Renner. Elegant und die feminine Seite des Mannes unterstützend. In einem Nebenraum des Clubs rauchen wir einen Joint und danach beschließe ich mich auf den Heimweg zu machen. Es ist wieder mal 4 Uhr und um 9 muss ich wieder an die Arbeit. Nur ein Tag von vielen in New York. Aber auch ein sehr unterhaltsamer.
More Stories to come ;-)
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